Frankenstein`s Erben

Frankenstein`s Erben


So um Ostern herum hören wir viel über Tod ,Auferstehung und ewiges Leben.

Ja,ich mache mir auch Gedanken darüber,vielleicht eher wissenschaftlich und nach weltlichen Kriterien.

Gerade wurde im Bundestag das Sterbehilfegesetz nochmal neu geregelt. Grundsätzlich bleibt die Frage,wie definiert sich „Tod“


->ist er unwiderruflich?

->kann er rückgängig gemacht werden?


Just in der Karwoche erschien in „Nature“ eine angeblich bahnbrechende Studie

von Nenad Sestan (seines Zeichens Professor für Neurowissenschaftler an der Yale School of Medicine in New Haven)

Die Zeitschrift wertete seine Versuchsreihe als revolutionär,da die Schwelle zwischen Leben und Tod neu definiert werden muss. Das Konzept des Hirntot,das in der tranplantationsmedizin eine entscheidenede Rolle spielt müsse gründlich überdacht werden.


Was war geschehen? Mr. Sestan kaufte für seine Hirnversuche Schweine von der Schlachtindustrie ab. Diese wurden von der fleischindustrie im jungen Alter von sechs bis acht Wochen fachgerecht nach amerikanischen Richtlinien geschlachtet.

Sestan interessierte sich nur für die abgetrennten Schweineköpfe, Diese wurden enthäutet,vom Knochen befreit und das übrig gebliebene Gehirn wurde an eine Art Herz-Lungenmaschine angeschlossen.Diese Maschine wurde sinnigerweise? Als „Brain-Ex“ patentiert. Studienausgangspunkt war die Frage,was genau passiert wenn das Gehirn mehr als ein paar Minuten keinen frischen Sauerstoff mehr bekam.

Nach Lehrmeinung und auch von uns Laien als common sence bezeichnet, gehen Milliarden von Zellen unmittelbar zu Grunde. Isolierte Zellen (auserhalb des Organs)

bleiben aber im Labor viele Stunden noch ohne Sauerstoff zu reanimieren.

Seine Maschine „Brain-Ex“ entzog die Blutzufuhr und ersetzte sie durch ein künstliches Perfusat. Die Zellen zeigten auch sechs Stunden noch Lebenszeichen.

So konsumierten sie weiterhin Glucose,schieden Kohlendioxid aus, reagierten auf elektrische Impulse.


Nach dem Versuch wurde der Schluss nahegelegt, dass das Sterben der gehirnzellen nach Sauerstoffmangel offenbar ein schrittweiser Prozess ist ,der länger dauert als angenommen. Sestan sieht die Chance darin ,dass der Prozess an bestimmten Punkten umkehrbar ist! Ob das aber die normale Hirnfunktion wieder herstellen ,könne, wisse er (Nenad Sestan) nicht und sei nicht Sinn seiner Experimente gewesen , Hä??Cui bono?

Auch Kritiker, wie Ulrich Dingal ,Direktor der Abteilung für Experimentelle Neurologie an der Charité,Berlin beanstandet,dass seit Jahrzehnten bekannt ist,dass Gehirnzellen isoliert über 24 Std. überleben, Fachjargon „delayed neuronal vulnerability“.

Schon in den späten 60iger Jahren machte der nun emeritierte Prof. Konstantin-Alexander Hossmann vom Max-Planck-Institut für Stofffwechselforschunf,Köln dazu an Katzen und Rhesusaffen brutale Versuche. Er klemmte deren Arterien ab und betrachtete das EEG. Erwartungsgemäß nach ein paar Minuten zeige es die Nulllinie. Nach Aufhebung der Blockade kam es bei einigen Tieren viele Stunden später zu messbaren Nervenaktivitäten.

Hossmann selbst schrieb noch 1987 im Journal of Neurological Siences von einem Fall einer Katze,die sich in darauffolgenden Wochen noch das Fell putzte und ein paar wackelige Schritte unternahm.


Ich finde solche Versuche grausam, da Experimente ohne ethische Standarts und ohne theoretische wissenschaftliche Ausarbeitung strafrechtlich verfolgt werden müssten.

Wozu gibt es einen Ethik-Rat? Ob Zellen überleben ist nicht entscheidend, sondern ob ein Organ funktionsfähig bleibt. Transplantationsmediziner müssen sich da an enge Grenzen halten,wenn sie künstlich beatmeten Patienten Organe entnehmen.

Zunächst muss Ort und Ursache des Schadens gefunden werden,der ins Koma geführt hat. (in dr Regel durch ein Computertomograph.Medikamente für das koma müssen ausgeschlossen sein; zwei unabhängige Ärzte müssen in mindest. Zwölfstündigem Abstand unabhängig den irreperablen komatösen Patienten untersucht haben um den Hirntod festzustellen.


Doch das oben beschriebene Experiment von Sestan knüpft an fragwürdige Traditionen von Experimenten an:


Schon 1908 hatte der französische Operateur Alexis Carrel den Versuch unternommen Hundeköpfe zu transplantieren. Einige Tiere machten nach der Transplantation noch Zuckungen. Carell wurde für seine Verdienste der Nobelpreis zuerkannt.

Eine Zeitlang kamen Versuche an isolierten Gehirnen zu experimentieren in Mode,bis es sich herumsprach,dass dies wenig zum Verständnis des Denkens und noch weniger zum Fortschritt der Medizin beitrug.

Unbeirrt aber machte ein amerk. Neurologe,Robert Joseph White weiter,Hunden und Rhesusaffen die Köpfe abzuschneiden, bis ihm 1970 an der Case Western Univ./Cleveland endlich eine Verpflanzung gelang. Der bedauernswerte Affe war vom Nacken an gelähmt,konnte aber seine Augen rollen.Neun Tage überlebte das arme Tier. Man kann es für Größenwahn halten, aber auch Robert White war gesellschaftlich alles andere als ein Außenseiter;vierfacher Ehrendoktor,900 Veröffentlichungen,gläubiger Katholik und beriet Papst Paul II in medizinischen Ethikfragen.Noch im hohen Alter räsonierte er ,die Häupter vom Astrophysiker Stephen Halkings oder des gelähmten Schauspielers Christopher Reeves auf einen anderen Körper zu setzen. Bis heute wird dieser Plan von dem italienischen Arzt Sergi Canavero verfolgt,der 2017 die erste Kopftransplatation vornehmen wollte!


O.K. Nicht alles daraus ist als Wahnsinn zu begreifen. Ähnliche Apparate wie die „BrainEx“ von Sestan, gibt es bereits in der Notfallmedizin.Wenn das herz nicht mehr pumpt und das Hirn nicht mehr versorgt wird können Ärzte das Blut absaugen und künstlich mit Sauerstoff versehen und wieder insufieren, „ExtraCorporale Membranoxygenerierung“ (ECMO-Geräte) In Freiburg haben sie diese Technik noch verbessert.Ihr „kontrolliertes integriertes Reanimationsgerät (CIRD) gibt gleichzeitig Nährstoffe und Medikamente hinzu und übernimmt die Funktion von Herz und Lunge gleichzeitig.


Das Thema der Wiederauferstehung im Geiste, bleibt aber der Religion vorbehalten.

Vielleicht ist es auch tröstlich,dass der Tod zum Leben gehört und dass sich Geist und Seele dadurch durchdringen. Es beruhigt und gibt ein sicheres Gefühl,dass es so ist.

Kommentare 2

  • Ich habe vom Thema nur allgemeines Laienwissen.

    Doch Ehtikrat hin oder her: ich bin überzeugt, dass alles was denkbar ist auch irgendwo auf der Welt ausprobiert wird. Vieles vielleicht im militärischen Interesse. - ganz unkontrolliert von der Zivilgesellschaft.

    Froscherdrang, Geltungsbedürfnis Allmachtfantasieen mögen mögliche Antriebe sein. Ich denke, das es gut ist, nicht alles zu wissen.

    Es ist ein so weites Thema, dass es wohl nie in den Griff zu bekommen ist.

    Als Stichpunkte fallen mir dazu mögliche Genmanipulation, Vorgeburtliche Diagnistik, Massentierhaltung als gelebten Horror zu Tierexperimente.usw. ein.


    Das Thema, wann ein Mensch tot ist verdränge ich. Die Aktivitäten einzelner Zellen scheint mir nicht schlüssig weil ich die Vorstellung habe, das alle Zellen funktionsfähig vernetzt sein müssen um es Leben zu nennen. Ist aber ein menschlicher Körper ohne erkennbares Bewusstsein wirklich am Leben?

    Ich finde, dass ist eine schwierige, nicht beantwortbare Frage.


    Die Mangelnde Bereitschaft zur Organspende wird hier seine Ursache haben. Die Vorstellung als Ersatzteillager verwertet zu werden und vielleicht doch etwas davon mit zu bekommen, sich aber nicht mehr äußern zu können, ist ähnlich gruselig wie die mittelalterliche Vorstellung, lebendig begraben zu werden (Scheintot).

    • Danke Jochen für deine ergänzenden Gedanken. Gerade dein letzter Absatz,in dem du die mangelnde Bereitschaft der Organspende ansprichst, gehört hier zum Thema.

      Insgesamt entsteht immer mehr das Mistrauen gegen forschende Medizin / immer mehr entsteht der Eindruck einer (abscheulichen!) selektiven Medizin.

      In meinem Beitrag soll die Hypris des ewigen Lebens aufgezeichnet werden. Es ist vielleicht ein Paradigmenwechsel, dass der Tod nicht zum Kreislauf des Lebens gehören soll. Wir sollten unser Bewustsein etwas schärfen;-)

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